Rede zum Scheffelpreis des Abiturjahrgangs 2026 von Hanna Setzer
Liebe Mitabiturientinnen und Mitabiturienten,
Liebe Schulleitung,
Liebe Lehrer, liebe Eltern, liebe Gäste, liebe Frau Wüllenweber,
zunächst einmal möchte ich euch alle beglückwünschen, denn ihr habt es geschafft, wir haben es geschafft: zwölf Jahre, die sich mal mehr, mal weniger lang hingezogen haben.
Die voller Erfahrungen, Erkenntnisse, Erfolge, Fehlschläge und Krisen, aber vor allem auch voller schöner Momente und besonderer Erinnerungen steckten, auf die wir mit Sicherheit noch lange zurückblicken werden.
Um diese ereignisreiche Zeit besser zu erfassen, habe ich mir erlaubt, sie mit meiner literarischen Lieblingsepoche zu vergleichen: der Romantik. Denn diese Epoche, die sich vom Ende des 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckt (also so lange, wie sich unsere Schulzeit angefühlt hat), war geprägt von tiefgreifenden, strukturellen Veränderungen:
Industrialisierung, Klassengesellschaft und nicht immer erfolgreiche
Revolutionen gaben in dieser Zeit den Ton an und stellten für den Großteil der Bevölkerung eher eine beängstigende Bedrohung statt einer willkommenen Veränderung dar. In Literatur und Lyrik spiegelte sich der Gemütszustand der Menschen wider mit der Flucht ins Innere, in fantasievolle Traumwelten sowie mit der Hinwendung zur Natur. Äußeren Unannehmlichkeiten durch Rückzug in die eigene Gedankenwelt zu entkommen, das war die Devise.
Auch wir mussten während unserer Schulzeit lernen, mit der ein oder anderen Krise umzugehen, dennoch gelang uns dies wohl etwas besser als den Menschen vor fast zweihundert Jahren.
Die prägendste der Krisen war für alle vermutlich die Coronapandemie, in der der Unterricht plötzlich von zuhause aus stattfand und wir somit von einem auf den anderen Tag lernen mussten, uns selbst zu strukturieren, die Aufgaben auch wirklich zu erledigen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und der Versuchung zu widerstehen, dem Teams-Meeting vom Bett aus beizuwohnen.
Trotz allem habe ich diese Schuljahre, die bei uns insbesondere die Unterstufe betrafen, eher positiv in Erinnerung. Was einerseits an der netten Eigenschaft des menschlichen Gehirns liegen könnte, Negatives zu verdrängen und Positives hervorzuheben. Andererseits aber auch an der Tatsache, dass ich schlicht und ergreifend viel mehr Freizeit hatte, die ich draußen in der Natur mit Freunden verbringen konnte.
Die Natur als Rückzugsort scheint der Menschheit demnach eine zuverlässige Quelle für Ruhe in Krisenzeiten zu sein. Dennoch haben wir uns der Pandemie und dem Virus mit Masken und
Desinfektionsmittel entgegengestellt, haben Wege gefunden, mit den besonderen Umständen umzugehen und den Unterricht trotz Schulschließung weitergeführt.
Heute liegt diese außergewöhnliche Zeit mehr als fünf Jahre zurück, und obwohl wir unserem ausgefallenen Schullandheim immer noch hinterhertrauern, können wir doch sagen, dass wir diese Krise im Großen und Ganzen gut gemeistert haben. Sonst würden wir ja schließlich nicht heute gemeinsam das Bestehen unseres Abiturs feiern.
Auf die Corona-Pandemie folgten zwar noch weitere, tiefgreifende Ereignisse, beispielsweise der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der Nahost-Konflikt und nicht zu vergessen die voranschreitende Klimakrise, die insbesondere für unsere Generation zur allgegenwärtigen Bedrohung wurde. Doch wenn wir in den letzten zwölf Jahren eins gelernt haben, dann, dass wir alles schaffen können, dass wir bereits so vieles geschafft haben, äußere sowie innere Krisen überwunden haben, sogar das diesjährige frühe WM-Aus für die deutsche Elf konnte uns während den mündlichen Prüfungen nicht wirklich aufhalten. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bedanken:
Bei meiner Familie und meinen Freunden, deren langjährige Freundschaft für mich eine genauso wichtige Errungenschaft darstellt wie das Abitur.
Um nun abschließend den Bogen zurück zur Romantik zu spannen, die zwar kein Paradebeispiel für Krisenmanagement darstellt, dafür aber wunderschöne Geschichten und Gedichte hervorgebracht hat, wünsche ich euch, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, dass ihr, wie in Eichendorffs Mondnacht, eure Flügel weit ausspannt, euren eigenen Weg geht und ich bin sicher, dass ihr auch alle noch bevorstehenden Herausforderungen wunderbar meistern werdet.
Vielen Dank!






