Am 14. Mai 2026 um 5 Uhr morgens setzten Lia Cancedda und ich uns bereits zum zweiten Mal in einen Reisebus, der uns in unsere französische Partnerstadt Annonay bringen würde. Anders als beim ersten Mal saßen vor und hinter uns jedoch keine Mitschüler, sondern Vereinsmitglieder des Partnerschaftsvereins, statt einer ganzen Woche würden wir nur für vier Tage in Annonay bleiben und der Grund für unsere Reise war nicht der Schüleraustausch, sondern die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Backnang und Annonay. Doch diese Reise würde mindestens genauso ereignisreich und unvergesslich werden. Unser Aufenthalt begann an einem sonnigen Donnerstagabend nach langer, aber gemütlicher Fahrt mit einem Abendessen im Festsaal von Annonay, einer großen Halle, in der alle aus Backnang Angereisten sowie alle, die uns in Annonay empfingen, Platz hatten. Es waren nämlich nicht nur die Mitglieder des Vereins „Freunde der Städtepartnerschaft Backnang Annonay e. V.“ zu den Feierlichkeiten gekommen, auch andere Vereine wie das städtische Blasorchester oder der Badmintonverein waren angereist, um die Freundschaft der beiden Städte zu feiern. Denn diese lebt neben dem Schüleraustausch vor allem von Kirchen-, Musik- und Sportvereinen, die mit gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Projekten regelmäßig zu Erhalt und Stärkung der Städtepartnerschaft beitragen. Am Freitagmorgen mussten Lia und ich bereits früh aufstehen, denn wir waren zu einem Interview mit Fabienne Dusser für Ihren Podcast „Les Voix du jumelage d‘Annonay“ eingeladen. Die Tochter des ehemaligen Vorsitzenden des „Comité du jumelage“ Alain Dusser stellte uns dabei einige Fragen zur Rolle der Jugendlichen im Zusammenhang mit der deutsch-französischen Freundschaft und unserer Motivation, zu deren Stärkung beizutragen. Im Anschluss trafen wir uns mit den Vereinsmitgliedern des Partnerschaftsvereins und der offiziellen Delegation inklusive Oberbürgermeister und Stadträten im Supermarkt Super-U, um dort eine Collage aus Fotos von Backnang zu bewundern. Danach ging es weiter zum offiziellen Sektempfang und anschließend zum gemeinsamen Mittagessen in der Mensa des „Agrotech“, ein Gymnasium mit Schwerpunkt Landwirtschaft in Annonay. Nach diesem ereignisreichen Vormittag hatten wir nach dem Mittagessen etwas Freizeit, in der wir durch die charmanten Gässchen der Altstadt schlenderten und uns dabei ganz nostalgisch an den Schüleraustausch zurückerinnerten. Bald ging das Programm jedoch weiter, mit einem berührenden Konzert des Akkordeonrings Steinbach im Théâtre des Cordeliers. Nach dem anschließenden Abendessen folgte dann noch ein weiteres Konzert, diesmal vom städtischen Blasorchester. Am Ende des Tages fielen wir zwar müde in unsere Betten, jedoch auch sehr bewegt von allen Ereignissen des Tages, jedes einzelne ein starkes Symbol für die Tiefe dieser langjährigen Freundschaft. Der Samstag begann auf dem Wochenmarkt in Annonays Altstadt, von dort aus ging es für uns und den Rest der Backnanger Delegation zum Square de Backnang, stets begleitet von einer Gruppe aus Musikern, die einen französischen Klassiker nach dem nächsten anspielten. Beim Square de Backnang, an den sich einige vermutlich noch als Fotokulisse für das Gruppenbild vom Schüleraustausch erinnern, wurde dann eine neue Infotafel zur Städtepartnerschaft von den Bürgermeistern beider Städte, Maximilian Friedrich und Simon Plénet feierlich eingeweiht. Nach dem Mittagessen im „Agrotech“ stand dann nur noch die Besichtigung der neuen Musikschule in Annonay auf dem Programm. Danach war es endlich soweit: am Samstagabend fanden sich alle, Backnanger, Annonayer, offizielle und inoffizielle Gäste und natürlich auch Lia und ich, im Théâtre des Cordeliers ein, wo nun die feierliche Zeremonie zur Würdigung von 60 Jahren Städtepartnerschaft stattfand. Zwischen vielen emotionalen Reden, Ehrungen und einem weiteren Konzert des städtischen Blasorchesters zusammen mit dem Orchester von Annonay, hatten auch Lia und ich einen Programmpunkt. Denn der Grund, warum wir überhaupt mit nach Annonay gereist waren, war ein Kurzfilm, den wir als deutsch-französische Schülerbotschafterinnen unserer Schule in den Monaten zuvor gedreht hatten. Dafür hatten wir Menschen interviewt, die durch die Städtepartnerschaft besondere Geschichten erlebt haben oder deren ganzer Lebensweg sogar durch die Freundschaft der beiden Städte beeinflusst wurde. Auch Schüler und Schülerinnen des MBG waren mit kurzen Berichten über den Schüleraustausch Teil des Videos geworden. Als unser Werk nun an diesem Abend dem Publikum präsentiert wurde, waren wir anfangs natürlich etwas nervös. Doch diese Nervosität wurde schon bald von unendlicher Freude, Erleichterung und auch etwas Stolz abgelöst, denn das Publikum feierte den Kurzfilm mit tosendem Beifall. Im Anschluss an die Zeremonie ging es weiter mit einer Lieblingsbeschäftigung der Franzosen: dem Essen. Im Festsaal von Annonay ließen alle den emotionalen Abend in feierlicher, freundschaftlicher Atmosphäre ausklingen. Als wir dann am Sonntagmorgen wieder im Bus Richtung Backnang saßen, waren wir immer noch ganz beseelt von diesem wunderschönen Abend sowie von allem, was in den vergangenen zwei Tagen passiert war. Alle, denen wir während unseres Aufenthalts begegnet sind, traten uns mit unheimlich großer Offenheit gegenüber und wir durften so viele Menschen kennenlernen, denen die deutsch-französische Freundschaft ebenso am Herzen liegt wie uns. Für diese wunderbare Möglichkeit sind wir nach wie vor sehr dankbar und werden diese vier Tage voller Herzlichkeit und Verbundenheit mit Sicherheit nie vergessen. Merci beaucoup!
Lia und Hanna (J2)








